Rita Miggiano, Vorstandsmitglied von Gastro Kanton Zürich (mit über 2500 Mitgliedern der grösste Kantonalverband der Schweiz), begrüsst an der Hotelfachschule Zürich gegen 70 Gäste zur zweiten Auflage von «Gastro Unplugged Zürich». Sie kündigt «tolle Gespräche, einen wertvollen Austausch und bereichernde Begegnungen» an. Und die Gastgeberin des Gourmetrestaurants Löwen in Bubikon ZH sollte nicht zu viel versprechen. Präsident Urs Pfäffli ergänzt: «Nach der Premiere im letzten Jahr mit rund 60 Teilnehmenden und vielen positiven Rückmeldungen haben wir uns entschieden, den Anlass zu wiederholen. Wir wollen so näher bei den Mitgliedern sein.»
Zum Auftakt befragt das Moderationsduo Miggiano-Pfäffli die Podiumsteilnehmenden Maurus Ebneter (seit 2021 Trésorier von GastroSuisse), Daniela Segmüller Unternehmerin und als Vorstandsmitglied in der Kommission für Mitgliedermarketing), Bruno Lustenberger (Vorstandsmitglied Bereich Ausbildung) sowie Kareen Vaisbrot, die bekanntlich seit dem 1. November 2025 GastroSuisse-Direktorin ist.
«Wir sind hier, um für die Mitglieder zu kämpfen», sagt Maurus Ebneter und kritisiert die Braukonzerne. «Sie benachteiligen unsere Branche gegenüber dem Detailhandel, wo sie ihr Bier auf dem Buckel der KMU-Gastronomie verscherbeln. Zudem geben sie Währungsgewinne auf Importen nicht weiter. Das ist störend, und das müssen wir offen ansprechen.»
Kareen Vaisbrot betont in ihrem Teil: «Die Grösse von Gastro-Suisse ist eine Chance, wenn wir die Kräften bündeln, wie es unser Ziel mit dem nationalen Auftritt ist.» Ob es etwas ändere, dass erstmals eine Frau den Verband führe, wird sie von Rita Miggiano gefragt. «Wichtig ist die Vielfalt der Erfahrung. Das wird uns weiterbringen», entgegnet die Direktorin.
Hahnenwasser und Wirtepatent
Nach diesem Auftakt tauschen sich die Teilnehmenden in Kleingruppen mit der Verbandsspitze aus – zu den Themen Bildung, Finanzen, GastroSuisse respektive Verbandsarbeit und Marketing. Die Mitglieder zeigen mit ihren Fragen, mit welchen Herausforderungen sie sich konfrontiert sehen. Da und dort wird argumentiert, dass es ein Fehler war, das Wirtepatent im Kanton Zürich abzuschaffen. Die Wertschätzung gegenüber Mitarbeitenden und Gästen ist ebenso ein Thema wie das Hahnenwasser, das Branchenimage in den Massenmedien, No-Shows, der L-GAV, die Grundausbildung oder die Frage, was ein Menü kosten darf.
Maurus Ebneter räumt ein: «Herkömmliche Restaurants werden seltener. Die bediente Gastronomie droht, zum Luxusgut zu werden. Manche Betreiber müssen sich fragen, ob ihre Konzepte noch zeitgemäss sind und ob die bestehende Infrastruktur stimmt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.»
Die Formel des offenen Dialogs über die Gastronomieszene kommt an. Joëlle Apter, Gastgeberin im Restaurant Löwen in Hausen am Albis und in der Badi am Türlersee, sagt: «Ich bin Quereinsteigerin und schätze es sehr, dass ich GastroSuisse sagen kann, wo der Schuh drückt.»
In der Schlussrunde fasst Rita Miggiano zusammen: «Wir haben viele engagierte und neugierige Gastronomen erlebt. Der Goodwill gegenüber dem neuen Vorstand ist gross. Wir danken, dass ihr mit Eurer Arbeit jeden Tag etwas für das Image unserer Branche tut.»
Und Urs Pfäffli bedankt sich bei den Besucherinnen und Besuchern für die «spannenden Fragen. In allen Gruppen war es sehr lebhaft». Das Plenum quittiert die Frage, ob der Anlass gefallen hat, mit einem kräftigen Applaus.